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Sauerländer/innen lesen vor

„Wir erzählen uns Geschichten, um zu leben. Wir brauchen Geschichten, um das Leben zu verstehen.“ (Gabriele von Arnim) Unter diesem Leitwort stand die Veranstaltung „Buch im Zelt“, die am Samstag in der Zeltkirche stattfand und seit zwölf Jahren zum festen Bestandteil der Zeltkirchenzeit gehört.

So verdeutlichte Petra Böhler-Winterberg am Beispiel des „Buchspazierer(s)“ von Carsten Henn, welche Bedeutung das Lesen und welche Kraft das Wort hat, um sich selbst und die Wirklichkeit zu verstehen. Dabei stellt ein etwas vorlautes neunjähriges Mädchen das Literaturverständnis eines alten schrulligen Buchliebhabers völlig auf den Kopf.

Gisela Fildhaut führte die Zuhörer mit Ina Westmanns „Heute beißen die Fische nicht“ auf eine einsame Insel in den finnischen Schären, wo eine junge Familie eigentlich einen idyllischen Sommerurlaub verbringen wollte. Emma, die Frau, leidet aber unter starken Kopfschmerzen und Halluzinationen. Die Ereignisse als Fotoreporterin in Kriegsgebieten holen sie immer wieder ein. Dies wird eine Kraftprobe für die ganze Familie.

Bernadett Peters erzählte begeistert aus Juli Zehs Roman „Über Menschen“, in dem eine junge Aussteigerin aus Berlin in Zeiten der Pandemie in ein brandenburgisches Kaff zieht. Dort kauft sie sich ein altes verfallenes Gutshaus und lernt unterschiedlichste Menschen kennen und schätzen und muss sich letztlich selbst neu erfinden. Durch die Protagonistin werden Fragen v. a. an die Leser gestellt, die sich selbstgerecht im alleinigen Besitz der Wahrheit glauben.

Die Lesung wurde musikalisch eindrucksvoll von David Schweinsberg untermalt.
Andreas Rohde, Direktor des Bildungs- und Exerzitienhauses, freute sich, dass dieses kulturelle Highlight schon so lange einen festen Platz im Programm der Zeltkirche hat und dankte allen Akteuren, besonders Elisabeth Hoffmann-Weber. Sie organisiert seit Jahren die Veranstaltung „Sauerländer lesen vor“.  Alle erhielten als kleines Dankeschön u. a. eine große Schokolade, denn „Bücher sind wie Schokolade für die Seele“.

Am Schluss der Veranstaltung trug Claudia Sommer-Philipp selbstverfasste Gedichte vor, die berühren und den Zeitgeist genau treffen. Zum Schluss eine kleine Kostprobe:

„Weihnachtsstressvermeidungsmöglichkeit
Kommt zusammen
Sprecht euch aus
Wünscht euch Frieden
Bei ein paar Pasta
Basta!“

(Text: Elisabeth Hoffmann-Weber)